Die Freiwillige Feuerwehr Taunusstein hat ihren Jahresbericht 2025 vorgestellt – und die Zahlen erzählen Geschichten, die viele Taunussteiner so noch nie gehört haben. 252 Einsätze, 15 Verletzte bei einem Großbrand in Bleidenstadt, ein CBRN-Alarm mit Großaufgebot in Neuhof und fast 50.000 ehrenamtliche Stunden: Das war das Jahr 2025 für die 752 Menschen, die Taunusstein sicherer machen.
Was hinter den Zahlen steckt
252 Einsätze. Eine Zahl, die man schnell überfliegt. Aber was bedeutet das wirklich?
Es bedeutet: An 252 Tagen im Jahr 2025 klingelte bei jemandem in Taunusstein mitten in der Nacht das Handy. Jemand stand auf, zog sich an und fuhr los – nicht weil er musste, sondern weil er wollte. Freiwillig. Ehrenamtlich. Für die Nachbarn.
49.032 Stunden im Jahr. Das sind mehr als 5,5 Jahre Vollzeitarbeit – geleistet von Menschen, die am nächsten Morgen wieder ihren normalen Job machen.
Die Zahlen 2025 im Überblick
| Kennzahl | Wert 2025 |
|---|---|
| Einsätze gesamt | 252 |
| Alarmierungen gesamt | 456 |
| Mitglieder (alle Abteilungen) | 752 |
| Aktive Einsatzkräfte | 346 |
| Davon Frauen | 54 (15,6%) |
| Jugendfeuerwehr | 142 Mitglieder |
| Minifeuerwehr | 106 Kinder |
| Ehren- & Altersabteilung | 145 Mitglieder |
| Geleistete Einsatzstunden | 6.770 |
| Ehrenamtliche Stunden gesamt | 49.032 |
| Hilfsfristeinhaltung | 88,6% |
| Durchschnittsalter Einsatzabteilung | 37,7 Jahre |
Einsätze: Mehr als jeden zweiten Tag ausgerückt
Im Jahr 2025 zählte die Feuerwehr Taunusstein 252 tatsächliche Einsätze – das bedeutet durchschnittlich mehr als jeden zweiten Tag einen Einsatz. Die 456 Alarmierungen verteilen sich auf 250 Brandeinsätze und 206 Hilfeleistungen.
Die häufigsten Einsatzarten: Türöffnungen (48 Einsätze), Unwetter und Wasserschäden (22), Ölspuren (21) sowie ausgelöste Brandmeldeanlagen (19). Besondere Unwetterlagen blieben 2025 aus – was die Gesamtzahl im Vergleich zu Vorjahren moderat hält.
Die besonderen Einsätze 2025
🔴 7. April – Wohnhausbrand Flachsbühlstraße: 15 Verletzte, 138 Einsatzkräfte
Was der Jahresbericht sachlich beschreibt, war in der Realität einer der schwersten Einsätze des Jahres: Am Abend des 7. April brannte ein Wohnhaus in der Flachsbühlstraße in Bleidenstadt. Als die ersten Kräfte eintrafen, drang dichter Rauch aus dem Gebäude.
15 Menschen wurden verletzt – 13 Bewohner hatten Rauch eingeatmet, vier mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Zwei Rettungskräfte erlitten ebenfalls leichte Verletzungen. Eine Person musste per Drehleiter aus dem dritten Obergeschoss gerettet werden. Bürgermeister Joachim Reimann (CDU) organisierte noch in der Nacht die Unterbringung der Bewohner, deren Haus nicht mehr bewohnbar war.
Insgesamt waren 138 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei im Einsatz – zusätzliche Rettungskräfte wurden aus Limburg-Weilburg, Main-Taunus und Wiesbaden angefordert.
🔴 14. August – Großbrand Gewerbepark Niedernhausen
In den Mittagsstunden des 14. August stand eine Lagerhalle mit Autowerkstatt und Reifenlager in Niedernhausen in Vollbrand. Die Rauchsäule war kilometerweit sichtbar und zeigte den anrückenden Fahrzeugen buchstäblich den Weg. Die Feuerwehr Taunusstein rückte mit rund 40 Einsatzkräften aus – darunter das Drehleiterfahrzeug und der Einsatzleitwagen ELW 2 des Rheingau-Taunus-Kreises. Der Einsatz dauerte bis tief in die Nacht.
🔴 24./25. August – Doppelter CBRN-Alarm in Neuhof
Was bedeutet CBRN?
CBRN steht für Chemisch, Biologisch, Radiologisch und Nuklear – also Gefahrenlagen, bei denen potenziell gefährliche Substanzen dieser Art im Spiel sein könnten. Was früher „ABC-Alarm“ hieß, heißt heute CBRN. Für solche Einsätze haben Feuerwehren speziell ausgebildete Einheiten mit besonderer Schutzausrüstung und Messgeräten.
Zwei Tage in Folge wurden Spezialkräfte in die Gartenstraße in Neuhof alarmiert. Am 24. August meldete ein Anrufer einen radioaktiven Strahler in einem Mehrfamilienhaus – ein Großaufgebot aus Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst rückte an, Gebäude wurden geräumt, das Hessische Landeskriminalamt ermittelte. Die Auflösung: Eine psychische Ausnahmesituation des Anrufers hatte den Einsatz ausgelöst. Zu keiner Zeit waren tatsächlich radioaktive Stoffe vorhanden.
Am nächsten Morgen folgte der nächste Alarm – diesmal wegen einer unklaren Substanz in einer Wohnung, die sich als Reaktion zweier Reinigungsmittel herausstellte. Für die neue CBRN-Einheit der Feuerwehr Taunusstein lieferten beide Einsätze wertvolle Erfahrungen.
🔴 20. Dezember – Dachstuhlbrand Kirchstraße: 500.000 Euro Schaden
Wenige Tage vor Weihnachten, nachts: Der Dachstuhl eines Hauses in der Kirchstraße Bleidenstadt stand in Flammen. Die Flammen schlugen meterhoch, das komplette Dach brannte durch. Drei Bewohner konnten sich selbst retten und kamen mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus.
Rund 80 Einsatzkräfte, zwei Drehleitern – eine aus Bad Schwalbach – waren stundenlang im Einsatz. Sachschaden: rund 500.000 Euro. Gegen 4 Uhr war der Brand gelöscht, am nächsten Tag war eine Brandnachschau mit Drohnenunterstützung nötig.
Ehrenamt: Fast 50.000 Stunden für Taunusstein
Die Einsatzabteilung allein leistete 29.976 Stunden – aufgeteilt auf Einsätze, Übungsdienste, Ausbildung, Brandschutzerziehung und technische Dienste. Zusammen mit Jugendfeuerwehr, Minifeuerwehr und Ehren- und Altersabteilung kommt die gesamte Feuerwehr auf 49.032 ehrenamtliche Stunden im Jahr 2025.
Das entspricht rechnerisch mehr als 5,5 Jahren Vollzeitarbeit – geleistet von Menschen, die das freiwillig und ohne Bezahlung tun. Und die am nächsten Morgen wieder zur Arbeit gehen.
Nachwuchs: Starke Jugendfeuerwehr, wachsende Minifeuerwehr
Die Jugendfeuerwehr zählte zum 31. Dezember 2025 insgesamt 142 Mitglieder – ein Plus von 9 gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2025 wechselten 3 Jugendliche in die Einsatzabteilung über.
Die Minifeuerwehr umfasst 7 Gruppen an 5 Standorten (Bleidenstadt, Hahn, Wehen, Neuhof und Niederlibbach) mit 106 Kindern – 18 davon wechselten 2025 in die Jugendfeuerwehr. Der Nachwuchs wächst kontinuierlich – ein gutes Zeichen für die Zukunft der Feuerwehr Taunusstein.
Drohneneinheit: Neues Fahrzeug, 11 Einsätze
Die Drohneneinheit der Feuerwehr Taunusstein zählte 2025 insgesamt 11 Einsätze – darunter 6 Wald- und Flächenbrände, 3 Personensuchen sowie je ein Gefahrstoffunfall und eine Personenrettung im unwegsamen Gelände. Das Team besteht aus 13 Personen aus 6 Stadtteilen und traf sich 26-mal zu Übungen und Schulungen. Im Jahr 2025 wurde außerdem ein neues GW-Drohne Einsatzfahrzeug beschafft.
Neubauten geplant: Zwei neue Feuerwehrhäuser bis 2027
Die Standorte Seitzenhahn und Niederlibbach sollen bis 2027 komplett neu gebaut werden. Auch bei der Fahrzeugflotte wurde investiert: Ein MTW für Bleidenstadt, ein TSF-L für Hambach-Orlen und ein TSF-W für Watzhahn wurden beschafft.
Digitalisierung: iPad statt Papier
Die Feuerwehr Taunusstein treibt die Digitalisierung konsequent voran: Seit September 2025 werden alle Geräteprüfungen vollständig digital per iPad erfasst. Alle Einsatzfahrzeuge wurden mit Rauchwarnmeldern ausgestattet. Zusätzliche Einsatz-Tablets für Löschfahrzeuge mit Atemschutzausstattung wurden beschafft.
Was kostet Sicherheit pro Einwohner?
Die Stadt Taunusstein wendete 2025 rund 1,97 Millionen Euro für den Brandschutz auf. Bei 31.274 Einwohnern entspricht das 58,93 Euro pro Kopf und Jahr – also weniger als ein Euro Sicherheit pro Einwohner und Woche.
Mitmachen bei der Feuerwehr Taunusstein
Die Feuerwehr Taunusstein freut sich über jeden neuen Kameraden und jede neue Kameradin. Der Einstieg ist unkompliziert:
- 🧒 Minifeuerwehr – ab 6 Jahren
- 👦 Jugendfeuerwehr – ab 10 Jahren
- 👨🚒 Einsatzabteilung – ab 17 Jahren
Mehr Infos gibt es direkt bei der Feuerwehr Taunusstein oder bei der zuständigen Stadtteilfeuerwehr vor Ort.